Akne bei Erwachsenen – warum Pickel mit 30, 40 oder 50 keine Seltenheit sind
- Tanja

- 11. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Akne bei Erwachsenen – warum Pickel mit 30, 40 oder 50 keine Seltenheit sind
Viele Menschen verbinden Akne mit der Pubertät. Tatsächlich leiden jedoch auch zahlreiche Erwachsene unter unreiner Haut, entzündlichen Pickeln oder wiederkehrenden Unterlagerungen. Besonders Frauen berichten häufig davon, dass ihre Haut erst mit Ende 20, 30 oder sogar 40 Jahren problematisch wird – obwohl sie als Jugendliche kaum Hautprobleme hatten.
Diese Form der Akne wird als Akne tarda bezeichnet. Das lateinische Wort tarda bedeutet „spät“. Gemeint ist damit eine Akne, die erstmals im Erwachsenenalter auftritt oder nach einer längeren beschwerdefreien Zeit zurückkehrt.
Akne ist nicht nur ein Problem von Jugendlichen
Während die klassische Jugendakne vor allem durch die hormonellen Veränderungen der Pubertät ausgelöst wird, spielen bei Erwachsenen häufig mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.
Die Haut ist dabei nicht einfach „unrein“, sondern reagiert auf innere und äußere Einflüsse mit Entzündungen, einer verstärkten Verhornung der Haarfollikel und teilweise einer erhöhten Talgproduktion.
Typisch sind:
Entzündliche Papeln (gerötete Knötchen)
Pusteln (eitrige Pickel)
Unterlagerungen
Wiederkehrende Entzündungen am Kinn
Veränderungen entlang der Kieferlinie
Beschwerden im Hals- und Wangenbereich
Besonders Frauen sind betroffen.
Warum tritt Akne oft gerade im Erwachsenenalter auf?
Hormonelle Veränderungen
Hormone gehören zu den häufigsten Ursachen einer Akne tarda.
Besonders sogenannte Androgene (männliche Geschlechtshormone, die auch Frauen besitzen) können die Talgdrüsenaktivität beeinflussen.
Bereits kleine hormonelle Schwankungen können ausreichen, um die Haut aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Mögliche Auslöser sind:
Menstruationszyklus
Absetzen hormoneller Verhütungsmittel
Schwangerschaft
Zeit nach der Schwangerschaft
Perimenopause (Phase vor den Wechseljahren)
Wechseljahre
Viele Betroffene beobachten, dass sich die Haut kurz vor der Menstruation deutlich verschlechtert.
PMOS – wenn Hormone eine größere Rolle spielen
Ein wichtiger möglicher Auslöser ist das PMOS (Polymetabolisches Ovarialsyndrom).
Dabei handelt es sich um eine hormonelle Stoffwechselstörung, bei der unter anderem erhöhte Androgenspiegel auftreten können.
Mögliche Hinweise sind:
Akne
Verstärkter Haarwuchs im Gesicht oder am Körper
Zyklusunregelmäßigkeiten
Schwierigkeiten beim Gewichtsmanagement
Dünner werdendes Kopfhaar
Nicht jede Frau mit Akne hat PMOS. Treten jedoch mehrere dieser Symptome gemeinsam auf, kann eine gynäkologische oder endokrinologische Abklärung sinnvoll sein.
Stress und die Haut
Viele Betroffene berichten, dass ihre Haut in stressigen Lebensphasen deutlich schlechter wird.
Das ist kein Zufall.
Unter Stress werden verschiedene Botenstoffe ausgeschüttet, darunter Cortisol. Diese können Entzündungsprozesse beeinflussen und die Hautregeneration beeinträchtigen.
Stress verursacht Akne nicht direkt, kann bestehende Hautprobleme jedoch verstärken.
Besonders häufig beobachten wir Verschlechterungen bei:
Beruflicher Belastung
Schlafmangel
Emotionalem Stress
Prüfungsphasen
Dauerhafter Erschöpfung
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Die Ernährung ist selten die alleinige Ursache einer Akne.
Dennoch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass bestimmte Ernährungsformen Hautunreinheiten begünstigen können.
Diskutiert werden insbesondere:
Hochglykämische Lebensmittel (starke Blutzuckerschwankungen)
Große Mengen Zucker
Stark verarbeitete Lebensmittel
Einige Milchprodukte
Whey-Protein-Produkte
Nicht jeder Mensch reagiert gleich. Deshalb sind pauschale Verbote meist wenig sinnvoll.
Medikamente und Akne
Auch bestimmte Medikamente können Hautveränderungen begünstigen.
Dazu gehören beispielsweise:
Kortisonpräparate
Einige Antidepressiva
Bestimmte Hormonpräparate
Einige Nahrungsergänzungsmittel
Bei Verdacht sollte die Medikation niemals eigenständig abgesetzt werden. Die Ursache sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Warum die Hautpflege allein oft nicht ausreicht
Viele Betroffene versuchen zunächst, das Problem ausschließlich über Kosmetik zu lösen.
Tatsächlich kann eine individuell angepasste Hautpflege die Haut deutlich unterstützen. Liegt die Ursache jedoch im hormonellen oder stoffwechselbedingten Bereich, reicht die beste Creme allein oft nicht aus.
Deshalb ist es wichtig, die Haut nicht isoliert zu betrachten.
Eine erfolgreiche Begleitung berücksichtigt:
Hautzustand
Hautbarriere
Lebensstil
Hormone
Stressfaktoren
Medizinische Begleiterkrankungen
Wann sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen?
Eine ärztliche Untersuchung kann sinnvoll sein bei:
Plötzlich auftretender Akne im Erwachsenenalter
Verstärktem Haarwuchs
Zyklusunregelmäßigkeiten
Sehr entzündlicher Akne
Narbenbildung
Wiederkehrenden tiefen Entzündungen
Je früher mögliche Ursachen erkannt werden, desto gezielter kann die Behandlung erfolgen.
Fazit
Akne im Erwachsenenalter ist deutlich häufiger, als viele Menschen vermuten. Hinter den Hautveränderungen können hormonelle Schwankungen, Stress, Stoffwechselveränderungen oder andere innere Faktoren stehen.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur die sichtbaren Hautveränderungen zu betrachten, sondern mögliche Ursachen mit einzubeziehen. Eine individuelle Hautanalyse und – wenn erforderlich – eine ergänzende ärztliche Abklärung können helfen, die passende Strategie für die Haut zu finden.





